Montag, 21. November 2011

Where do I start...



In Mexiko gibt es viele Feiertage.
So zum Beispiel heute: da ist der 101. Jahrestag der mexikanischen Revolution. Naja, eigentlich am Sonntag. Aber da man da natuerlich zu viel feiert, ist der Montag auch frei. Einfach so. Und da in Puebla die Revolution schon ein paar Tage frueher begonnen hat, hat die Regierung am Donnerstag spontan beschlossen, dass der Freitag auch frei ist. Kann man ja mal machen. Also hatte ich (mal wieder...) ein langes Wochenende.

Prinzipiell ist das natuerlich sehr schoen, wenn man aber sieht, dass die naechsten drei Wochen fuer die Schueler voller Klausuren sind und zum Beispiel so die letzte Mathestunde vor der Klausur ausgefallen ist, ist das vielleicht nicht mehr ganz so cool...
Naja, kein Wunder, dass die Schueler alle keine Ahnung haben, wenn bei ihnen permanent die Schule ausfaellt.


Aufgrund der Tatsache dass in Puebla nicht besonders viel los ist und es eine ganz schoen langweilige und spiessige Stadt ist, muss man die Wochenenden wegfahren, wenn man sich nicht zu Tode langweilen will. Und was liegt da naeher als in die Hauptstadt zu duesen? Das dauert naemlich nur zwei Stunden.


Also habe ich mich auf den Weg gemacht zum Mittelpunkt des Universums, ein zweites Mal, mit vielen Tipps von meiner Mitbewohnerin im Gepaeck, wo es schoen ist und wo nicht.
Und siehe da: ich mochte es. Ich mochte es sogar sehr.


Auch wenn man auf den Maerkten kleine Adolf Hitler aus Zinn kaufen kann. Wahlweise auch kleine Adolf Hitler in Waegen der Waffen-SS. Sehr geschmackvoll.
Trotzdem ists schoen gewesen. Aber seht am besten selbst:

Sonntag, 6. November 2011

Impressionen

Die letzte Woche hatte ich frei und Mexiko hat sich in ein Land verwandelt, in dem es von Menschen nur so wimmelt, die aussehen, als wären sie einem Tim Burton Film entsprungen.

Ich bin deswegen ein bisschen in der Gegend herumgefahren, habe meine Füße ins Meer gehalten und kleine Schildkröten in den Händen, habe mit einer mexikanischen Familie zu Abend gegessen, mit Kakerlaken und Eidechsen unter einem Dach gewohnt, Strandspaziergänge gemacht, war in El Tajin, Monte Alban und Mitla, drei beeindruckenden Ruinen, habe über einer Schokoladenfabrik gewohnt, mich in Oaxaca verliebt, Metzcal getrunken (den Tequila mit dem Wurm am Boden), aber zum Glück den Wurm nicht erwischt, den dicksten Baum der Welt gesehen, bin durch die Straßen Oaxacas getanzt (die übrigens an jeder Ecke nach Schokolade duften), durch einsame Gegenden Mexikos gefahren, auf dem Friedhof gewesen, habe viel, viel nachgedacht, aber auch gelacht.

Kurz gesagt: es mir gut gehen lassen, wenn das Heimweh auch noch nicht ganz verflogen ist.

Bin aber letztendlich zu dem Schluss gekommen: Mexiko ist wunderschön, wenn es auch Schattenseiten hat, die man an allen möglichen Ecken sieht. Der Wunsch etwas daran zu ändern, den gibt es wohl – nur die Möglichkeit, die - denke ich - kaum.

Ein paar Eindrücke könnt ihr euch selbst ansehen, alles Wesentliche lieber persönlich:



Freitag, 28. Oktober 2011

Dia de muertos 1


Heute wurde der Dia de Muertos in der Schule gefeiert:
Das war ein großes Tamtam. Viele Klassen haben sich sehr viel Mühe gegeben. Die Mittelstufe hat zum Beispiel ihre Vorgärten mit Särgen von allen möglichen berühmten Persönlichkeiten geschmückt. Aber seht selbst:




Jede Klasse der Oberstufe hingegen hat ihr gesamtes Klassenzimmer dekoriert und einem Thema gewidmet. Das war wirklich interessant, weil viele Themen sehr ernst waren:
Die eine Klasse hat sich mit Mobbing befasst und drei Personen dargestellt, die sich, weil sie gemobbt wurden, das Leben genommen haben. Andere haben Schicksale nachgespielt, die hier in Mexiko keine Seltenheit darstellen: Kinder, die arbeiten müssen, Frauen, die verschleppt und verkauft werden, Menschen, die entführt werden und mit deren Organen dann Handel betrieben wird.


In der ganzen Stadt findet man mittlerweile so genannte "Ofrendas", also große Altäre, auf denen Bildern von Verstorbenen stehen und darunter das Essen und Trinken, das derjenige geliebt hat. Wie schon gesagt, glaubt man, dass die Toten an diesen Tagen zurück auf die Erde kommen um noch einmal unter denjenigen zu sein, die sie geliebt haben.
Deswegen wird auch so groß getanzt und gefeiert, weil man noch einmal ein paar Tage mit dem geliebten Menschen verbringen darf.


Natürlich kann man jetzt sagen, dass das Ganze ziemlich dumm ist, denn offensichtlich ist das zubereitete Essen am Ende der Feierlichkeiten noch da und niemand ist gekommen, um es zu essen. Dennoch finde ich es einen schönen Gedanken, dass Menschen, die sterben, nicht ganz fort sind, sondern manchmal noch bei uns, auch wenn wir davon nichts merken.


Da es an der Schule gerade einen Toten gab, stand auf dem Pausenhof ein großer Altar. Daneben eine große Wand, wo die Schüler Briefe an Tassilo anbringen durften. Ich finde es gut, dass die Kinder einen Platz bekommen haben, wo sie traurig sein dürfen und wo sie mit großen runden Buchstaben und vielen Rechtschreibfehlern aufschreiben dürfen, was sie so denken:
(wobei man natürlich auch bedenken muss, wie viel Geld die Schule dafür ausgegeben hat... und ob es da nicht auch andere Möglichkeiten gegeben hätte..)


Montag, 24. Oktober 2011

Ich hab noch einen Koffer in Berlin


Gerade sitzt mir der Heimwehvogel ein bisschen im Nacken und ich würde viel dafür geben, einen herbstspaziergang durch Berlin zu machen oder eine lange Joggingtour. Ich möchte durch den Treptower Park laufen und die Blätter unter meinen Füßen rascheln hören und Kastanien sammeln.


Na gut. dafür habe ich nächste Woche frei. Denn am Mittwoch ist der Dia de los muertos (der Tag der Toten), einer der größten Feiertage Mexikos. Es wird gekocht, was die Verstorbenen jeder Familie gerne gegessen haben, denn man glaubt, dass sie in der Nacht vor dem Dia zurück auf die Erde kommen und sich noch einmal ordentlich die Bäuche vollschlagen wollen. Am Dia selber geht man dann auf den Friedhof, dort wird getanzt, gesungen und gelacht. Ich bin gespannt.


An der Schule wird der Dia auch zelebriert. Dazu fällt mir eine Geschichte ein, die mir eine Lehrerin erzählt hat:
Letztes Jahr zum Tag der Toten hat ein Schüler ein Messer mit in die Schule genommen und andere Schüler bedroht (nur zum „Spaß“), daraufhin hat die Lehrerin die Mutter des Jungen in die Schule bestellt und ihr gesagt, was vorgefallen ist und dass so etwas nicht geht. Daraufhin sagt die Mutter des Jungen: „Na, wenn Sie so empfindlich sind, dann kann ich Ihnen auch nicht helfen!“
Tja, was soll man dazu sagen :) Mal sehen, was dieses Jahr passiert.

Sonntag, 16. Oktober 2011

Cetzuatlan

Trotz mancher schlimmer Dinge gefällt es mir hier. Und warum? Das kann man ganz einfach erklären:


Nein, im Ernst:

Ich durfte im Polizeiauto mitfahren,



habe Wasserfälle gesehen


und Pyramiden,



viel Natur





und ein klassisches mexikanisches Dorf... was will man mehr an so einem Wochenende...?

Montag, 10. Oktober 2011

...



Ich habe länger nichts mehr geschrieben. Aber das heißt nicht, dass hier nichts passiert ist :)
Nach Schreiben war mir aber dennoch nicht. Und der Artikel jetzt wird sicher auch nicht der Fröhlichste werden.
An der Schule ist zur Zeit sehr gedrückte Stimmung. Der Leiter der Grundschule, ein sehr netter, freundlicher und lebensfroher Mann ist am Freitag gestorben. Er war sowohl bei den Kindern, als auch bei allen anderen extrem beliebt.
Ich selber habe ihn nur ein paar Mal gesehen und ein paar Mal mit ihm geredet und bin auch sicher alt genug, um damit umgehen zu können. Für die Kleinen ist das schwieriger und ich bin ganz froh, dass ich mich noch aus der Affäre ziehen kann und mit den Schülern nicht darüber reden muss.
Schlimm ist das trotzdem. Vor allem weil er so extrem nett war. Und wie erklärt man einem so kleinen Stöpsel, dass jemand einfach nicht wiederkommt, der noch vor kurzem quietschlebendig in der Gegend herumgehüpft ist?


Auch sonst hört man hier Nachrichten, die einen eher schlucken lassen.
Dadurch dass der derzeitige Präsident die Drogenbanden so extrem verfolgt, ist es für sie schwieriger geworden, mit Drogen Geld zu verdienen. Das Geld, das ihnen demzufolge fehlt, müssen sie sich nun woanders beschaffen und erpressen so alle möglichen Institutionen. Unter anderem auch Schulen, vor allem in Veracruz. Eine Schule hat scih geweigert zu zahlen und am nächsten Morgen lagen acht Köpfe vor der Tür.
Hier in Puebla ist man sicher. Dennoch finde ich solche Sachen schlimm.
So, damit höre ich nun auf. Das nächste Mal fällt mir sicher wieder etwas positiveres ein.

Sonntag, 2. Oktober 2011

Im Wesentlichen nichts Neues


Ein paar weitere Tage sind vergangen. Die Zeit vergeht schnell, wenn mir auch die noch verbleibende Zeit manchmal ewig vorkommt.

Super viel neues, aufregendes erlebe ich nicht unbedingt. Die Schule nimmt mich ganz schön ein, ich habe viel zu tun.




Wirklich gefällt mir diese Schule nicht. Im Moment haben sie Stress, weil sie das Geld, das Eltern gespendet haben, damit Kinder, die zu Halbwaisen werden, dennoch auf die Schule gehen dürfen, für neue Gebäude ausgegeben haben. Alle reden sich hinaus und finden es doof, dass man jetzt mit den Fingern auf sie zeigt. Ich habe eine Meinung dazu, aber behalte die erstmal für mich :)

Viele Schüler hab ich mittlerweile gerne. Oft muss ich daran denken, wie ich wohl war, als ich noch auf so kleinen Beinen durch die Gegend gewuselt bin. Viele Dinge, die die meisten der Kinder haben, hatte ich damals nicht.



Abends bin ich schon dann und wann einmal weggewesen. Die Hälfte der Male habe ich Menschen sich prügeln sehen. Immer ein Stück weg von mir, aber dennoch immer in der Nähe. Man selber ist natürlich sicher, so lange man sich nicht einmischt (und ich werde das sicher nicht tun...). Manche Mexikaner stellen sich um die Prügelnden und filmen das Ganze mit dem Handy. Wahrscheinlich kann man sich das dann auf youtube ansehen. Yeah!




Man sagt, in Puebla ist man vor allem deswegen sicher, weil hier die ganzen Drogenbosse wohnen ^^ Der letzte große Drogenboss, der gefasst wurde, war der Nachbar der anderen Praktikantin, die hier aufgewachsen ist^^ Vielleicht gehen ein paar Drogenbosssprösslinge auch auf die Schule :) Geld genug müssten sie ja haben :)