Heute wurde der Dia de Muertos in der Schule gefeiert:
Das war ein großes Tamtam. Viele Klassen haben sich sehr viel Mühe gegeben. Die Mittelstufe hat zum Beispiel ihre Vorgärten mit Särgen von allen möglichen berühmten Persönlichkeiten geschmückt. Aber seht selbst:
Jede Klasse der Oberstufe hingegen hat ihr gesamtes Klassenzimmer dekoriert und einem Thema gewidmet. Das war wirklich interessant, weil viele Themen sehr ernst waren:
Die eine Klasse hat sich mit Mobbing befasst und drei Personen dargestellt, die sich, weil sie gemobbt wurden, das Leben genommen haben. Andere haben Schicksale nachgespielt, die hier in Mexiko keine Seltenheit darstellen: Kinder, die arbeiten müssen, Frauen, die verschleppt und verkauft werden, Menschen, die entführt werden und mit deren Organen dann Handel betrieben wird.
In der ganzen Stadt findet man mittlerweile so genannte "Ofrendas", also große Altäre, auf denen Bildern von Verstorbenen stehen und darunter das Essen und Trinken, das derjenige geliebt hat. Wie schon gesagt, glaubt man, dass die Toten an diesen Tagen zurück auf die Erde kommen um noch einmal unter denjenigen zu sein, die sie geliebt haben.
Deswegen wird auch so groß getanzt und gefeiert, weil man noch einmal ein paar Tage mit dem geliebten Menschen verbringen darf.
Natürlich kann man jetzt sagen, dass das Ganze ziemlich dumm ist, denn offensichtlich ist das zubereitete Essen am Ende der Feierlichkeiten noch da und niemand ist gekommen, um es zu essen. Dennoch finde ich es einen schönen Gedanken, dass Menschen, die sterben, nicht ganz fort sind, sondern manchmal noch bei uns, auch wenn wir davon nichts merken.
Da es an der Schule gerade einen Toten gab, stand auf dem Pausenhof ein großer Altar. Daneben eine große Wand, wo die Schüler Briefe an Tassilo anbringen durften. Ich finde es gut, dass die Kinder einen Platz bekommen haben, wo sie traurig sein dürfen und wo sie mit großen runden Buchstaben und vielen Rechtschreibfehlern aufschreiben dürfen, was sie so denken:
(wobei man natürlich auch bedenken muss, wie viel Geld die Schule dafür ausgegeben hat... und ob es da nicht auch andere Möglichkeiten gegeben hätte..)

