Sonntag, 25. September 2011

Esto es lo que hay


Nun ist schon wieder eine Woche um. Die Zeit vergeht zu schnell.
Mittlerweile ist hier eine Art Alltag eingekehrt: Am Montag bin ich noch einmal umgezogen, aber nur ein Stockwerk nach oben und da wohne ich nun. Schön ists hier, ruhig und still :)
Einziger Nachteil: ich brauche jetzt länger zur Schule, das heißt, es gibt Tage, an denen ich um 6 Uhr aufstehen muss (puh :( ).


Ich habe meine ersten zwei Mathestunden gehalten und darf das die ganze nächste Woche weiterhin tun. Die Lehrerin ist ziemlich cool und es lief alles viel, viel besser als ich es jemals für möglich gehalten habe.
Morgen werde ich auch zwei Deutschstunden halten, davor habe ich ein bisschen Angst, aber ich werde das sicher auch überstehen :)
In der Schule ist gerade sehr schlechte Stimmung, sie haben Geld veruntreut und nun ein paar Klagen am Hals. Die Eltern schreiben böse Zeitungsartikel und wollen den Direktor absetzen.


Sonst beginne ich auch das Nachtleben in Mexiko auszukosten.
Mexikanische Konzerte sind auch sehr cool:


Außer dass die Mexikaner in regelmäßigen Abständen ihre halbvollen Bierbecher durch die Menge werfen und man nach dem Konzert quasi in Bier geduscht hat ( es soll ja Menschen geben, die von so etwas träumen... ich kann mir aber schöneres vorstellen :-P ) Naja, aber Bier ist gut für die Haare ^^ oder so ähnlich...

Sonntag, 18. September 2011

Tag Am Meer


Letzte Woche Mittwoch hatte ich auf der "Feria" (eine Art Volksfest) hier in Cholula das erste Mal das Vergnügen mexikanischen Tequila probieren zu dürfen :) Ich muss sagen, dass ich mir mehr erwartet habe :) Stark ist er aber natürlich trotzdem, so dass ich am Donnerstag nicht ganz so fit zur Arbeit getaumelt bin :)


Das war aber nicht so schlimm, denn am Donnerstag war sowieso eine große Feier zur mexikanischen Unabhängigkeit und an der Schule war nicht viel los.
Abends gab es noch eine große Party in jeder Stadt Mexikos, wo alle Menschen sich auf dem Marktplatz zusammen finden und ganz laut: "Viva Mexico!" schreien. Überhaupt tragen alle Menschen an diesem Tag rot, grün, weiß, die Farben der mexikanischen Flagge und essen und tanzen und trinken Tequila. Einige sind noch ein bisschen zu klein zum Tequila trinken, aber sie haben trotzdem Spaß:)


Den abendlichen Feierlichkeiten bin ich aus dem Weg gegangen, denn ich habe mir gedacht: Was gibt es besseres als ein langes Wochenende ans Meer zu fahren?


Wahrscheinlich nicht so viel :) und so haben wir uns Donnerstag spontan entschieden uns mit dem Nachtbus auf den Weg nach Acapulco zu begeben. Acapulco liegt am Pazifik und war früher quasi eine Touristenhochburg. Spätestens seit 2007 dort zwei Touristen erschossen wurden, sind kaum mehr Ausländer dort zu sehen. Acapulco hat sich eher zur Drogenhochburg entwickelt :) An Weihnachten wurden dort in einem Kaufhaus mehreren Menschen die Köpfe abgeschlagen und in den Schaufenstern aufgehängt.


Ja, solche Geschichten hört man über Acapulco. Eigentlich wollten wir auch nach Veracruz fahren. Nachdem aber eine Bekannte dort kürzlich war und regelmäßig Schüsse gehört hat, haben wir uns - auch dem Rat einiger Mexikaner folgend - für Acapulco entschieden.

Die Armut dort ist förmlich greifbar. Am Strand wird einem alle zwei Minuten etwas angeboten: eine Massage, eine neue Frisur, Schmuck... Auch viele Kinder laufen in der Gegend herum und wollen einem Spielzeug andrehen. An den meisten Häusern blättert die Farbe ab. Die Stadt wimmelt von Taxis, nur ist keiner da, der mit ihnen fahren will.
Wirklich helfen kann man den Menschen dort allerdings nicht.
Ich finde Acapulco selber auch nicht besonders schön. Wir haben uns selber natürlich nur in den belebten Gegenden aufgehalten, die quasi die Touristengegenden sind. Aber selbst dort sind die Häuser renovierungsbedürftig, die Restaurants verkommen, die Straßen sind leer.
Was das mit den Drogenkriegen genau auf sich hat, das habe ich noch nicht ganz verstanden. Nur, dass es in den letzten Jahren immer schlimmer geworden ist und es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis sich dieser Krieg in ganz Mexiko verbreitet hat - also auch in die im Moment noch sicheren Städte, wie Puebla, kommt.


Seit ein paar Minuten bin ich auch wieder hier, in sicherem Gebiet, in meinem neuen Zuhause - die Fahrt zurück hat statt 6 11 Stunden gedauert. Naja, die Mexikaner nehmen es mit der Pünktlichkeit eben nicht so genau....:)

Dienstag, 13. September 2011

An Tagen wie diesen

Heute war ein doofer Tag, wenn er auch eigentlich ganz schön angefangen hat.
Die Schule geht hier um 7:30 los, das heißt idealerweise ist man um 7:15 an der Schule und das wiederum heißt, dass ich um 6:15 aus meinem Bett krieche. Das sieht übrigens so aus:


Dann trinke ich einen "Kaffee" (iieh, der Kaffee hier ist wirklich nicht lecker, aber um die Uhrzeit brauche ich etwas, um wachzuwerden) und das mache ich meistens in diesem schönen rosanen Wohnzimmer (rosa ist auch MEINE Lieblingsfarbe :-P):

Dann hüpfe ich aus dem Haus und habe einen Blick auf diese Häuschen:


"Mein" Haus sieht allerdings so aus:


Gut, spaziere ich dann aus der eigens abgesperrten Einfahrt hinaus, bekomme ich die Vorteile des frühaufstehens zu sehen: Den Sonnenaufgang über Puebla. Der war heute besonders schön:



Biege ich um die nächste Ecke, sehe ich die beiden Vulkane: den Popocatépetl und die Iztaccíhuatl (ein Mann und eine Frau, sie schläft und er ist auf dem Weg, um sie wachzuküssen, wurde aber von höheren Mächten eingeschläfert und so stehen sie da und können einfach nicht zueinander kommen...). Heute sah das so aus: (Leider ist meine Kamera nicht so gut...)



Und dann gehts zur Schule. Von vorne sieht die so aus:



Die Lehrer wissen es gut auszunutzen, dass ich hier bin. Heute musste ich bis halb drei Vertretungsstunden halten: Englisch. Eigentlich war die Lehrerin da, aber konnte aus unerfindlichen Gründen nicht zum Nachmittagsunterricht erscheinen. Ich will ja niemandem etwas unterstellen, aber... (Ich finde Vertretungsstunden halten ist zum Kotzen... weil niemand Respekt vor dir hat, weil sie genau wissen, sie werden dich nie wiedersehen und am schlimmsten ist es in mexikanischen Klassen, die kaum deutsch können...)
Wenn die Kinder zwischen den Stunden in der Gegend rumhüpfen, haben sie auch sehr viel und sehr schönen Platz:



Wenn man hier genau hinguckt, sieht man die Eingangstüren, die sich nur öffnen, wenn du mit deinem Fingerabdruck bestätigst zur Schule zu gehören (oft funktioniert das nicht, deswegen ist das eher nur Schau...)


Und jede Schule braucht selbstverständlich ein kleines Amphitheater:


Jetzt musste ich mich noch dafür rechtfertigen, weswegen ich ausziehe.
Ich mag niemanden verletzen, aber manchmal da macht man das einfach so, ohne das man etwas dafür kann. Ich kann ja auch nicht aus Mitleid hier wohnen bleiben.
(Schade, dass man hier keine gute Schokolade kaufen kann, ich könnte welche gebrauchen.)

Freitag, 9. September 2011

Indepedencia


Pünktlich zum 15. September, dem Tag der mexikanischen Unabhängigkeit, werde auch ich wieder unabhängig sein und in die 5er WG ziehen, die ich mir neulich angesehen habe. Das Zimmer zu bekommen war äußerst simpel, die Wohnsituation ist hier sehr entspannt - kein Vergleich zu Berlin :)


Ich werde nach Cholula ziehen, dem Studentenviertel Pueblas, das eigentlich eher ein Vorort ist. Allein in Cholula gibt es (angeblich) über 300 Kirchen. Wenn man bedenkt, dass Cholula etwa 1,5 Mal so groß ist wie Neustadt (also so ca. 22000 Einwohner) ist das schon ganz schön beachtlich. Allgemein sind hier sehr viele Menschen religiös: 90 Prozent der Menschen sind katholisch, ganz viele tragen ein Kreuz um den Hals. Überall sieht man irgendwelche Liebespärchen, weil die Jugendlichen ihren Freund natürlich nicht mit nach hause nehmen dürfen. In jedem Bus hängt ein Kreuz und Bilder vom Papst oder der Virgen de Guadeloupe, einer mexikanischen Heiligen. Das finde ich ganz beruhigend, denn die Busfahrer können bei ihrem Fahrstil ab und an gut Gottes Hilfe gebrauchen :)



Obwohl die Mexikaner sehr religiös sind, sind sie nicht unbedingt Weltmeister in Sachen Nächstenliebe. Damit will ich nicht sagen, dass sie nicht freundlich zu mir sind, aber ihren Umgang mit Tieren müssen sie zum Beispiel noch einmal überdenken:




In solchen "Umzugswägen", die vielleicht gerade mal eine Fläche von 20 Quadratmetern haben, werden hier viele Tiere ausgestellt: Geparden, Tiger, Affen.... Wenn das keine Tierquälerei ist, dann weiß ich auch nicht.



Der Alltag in der Schule ist immer noch sehr chaotisch und irgendwie weiß ich oft nicht recht, wo ich hin oder was ich machen soll. Zur Zeit sind viele Lehrer auf einer Fortbildung. Na Gott sei Dank sind da zwei Praktikanten, die die Vertretungsstunden machen können!
Allgemein würde ich gerne mehr selber machen. Nein, ich würde gerne mehr Dinge selber machen, von denen ich Ahnung habe, ich würde den Kindern gerne etwas über Umweltschutz oder erneuerbare Energien erzählen oder ihnen bewusst machen, wie priviligiert sie sind, auf eine solche Schule gehen zu dürfen.
Die meisten Kinder hier haben allerdings das Selber denken und Selbstständig arbeiten nicht gelernt. Wenn ihre Noten schlecht sind, ruft Papi einmal beim Direktor an und der sorgt dann schon dafür, dass sie die Klasse nicht wiederholen müssen. Ganz schön einfach. Warum sollte man sich in einer solchen Situation dann auch noch anstrengen...? Ganz schön traurig...


Ansonsten beginnt alles gut zu laufen, wenn es auch alles noch nicht superoptimal ist. Aber das wäre ja wahrscheinlich auch zu viel verlangt für den Anfang...

Donnerstag, 1. September 2011

El Colegio


Mittlerweile bin ich eine Woche an der Schule und allmählich lebe ich mich ein.
Richtig sicher, ob mir diese Schule gefällt, bin ich allerdings noch nicht.
Allgemein brauche ich ja meist ein wenig Zeit um mich irgendwo einzufinden und im Moment ist sehr viel neu, das strengt manchmal an.
Die letzte Woche habe ich Deutsch unterrichtet und werde das auch die nächste Woche tun. Ein bisschen hat mich das überfordert, aber es ist nicht so, dass ich es nicht überstanden hätte...:) Aber ob ich es gut gemacht habe, dessen bin ich mir nicht ganz sicher.
Die ganze Schule und die Schüler sind mir ein bisschen zu verwöhnt und alles ist so schick und reich. Die Kinder werden früh zur Schule gebracht mit schicken, dicken Autos und es stehen schicke Menschen bereit, die nur dazu da sind, den Kinderchen die türen aufzuhalten.
In die Schule rein dürfen nur Lehrer und Schüler, sie ist gut abgesichert. Mit fetten Türen und einem dicken Stacheldraht.
Ein eigenes Schwimmbad gibt es, das aber eher nur Dekoration ist, weil die mexikanischen Mamas Angst haben, ihre Kinder könnten beim Schwimmen ertrinken.
Die Kinder wissen allerdings, wie das wahrscheinlich meistens ist, nicht wirklich zu schätzen, was sie da eigentlich geboten bekommen.
Nur zehn Prozent der Schüler müssen kein Schulgeld bezahlen, werden dafür aber gemobbt, weil sie mit nicht ganz so schicken Autos zur Schule gebracht werden. Ein hoher Preis, den sie da zahlen...
Ich passe in diese Schicht auch nur bedingt hinein, deswegen fühle ich mich manchmal auch ein bisschen unwohl und ob das nun eine so außergewöhnliche Erfahrung ist hier zu sein, das weiß ich auch nicht.
Ein bisschen gemein fühle ich mich, denn morgen schaue ich mir ein neues Zimmer an, in einer 5er WG mit Garten, so wie ich es mir gewünscht habe. Dabei ist die Frau wirklich bemüht, aber es ist einfach nicht mein Ding. Und wie ich eben so bin, habe ich auch keine Lust zu warten, ob es besser wird, weil ich mir fast sicher bin, dass es das nicht wird.
Angestarrt werde ich immer noch extrem. Wenn ich zur Schule gehe, muss ich an einer Autowerkstatt vorbei. Wenn einer der Mitarbeiter draußen steht, läuft er schnell herein und holt seine Kollegen, damit sie mich gemeinsam anstarren können. Yeah!
Einen Sprachkurs habe ich mittlerweile gefunden und einen Job als Babysitterin hat mir die andere Praktikantin vermittelt. Die ist auch sehr nett, wenn sie auch am Anfang etwas abweisend war, aber mittlerweile ist alles super und wir gehen am Wochenende zusammen Tequila trinken. :) Das ist super und ich freue mich...!
Die Mexikaner im Allgemeinen sind sehr stolz auf ihr Land und mein Mamilein kann Stunden über das mexikanische Essen reden, was ja auch ohne Zweifel gut schmeckt, aber... Naja. Ein bisschen von dem Stolz könnten sich die Deutschen schon auch abschneiden, denn ich finde, es geht nichts über Buspläne, festgelegte Haltestellen, Zuverlässigkeit, Organisationstalent, kostenlose und gleichzeitig gute Bildung... Naja, man kann nicht alles haben :)