Freitag, 9. September 2011

Indepedencia


Pünktlich zum 15. September, dem Tag der mexikanischen Unabhängigkeit, werde auch ich wieder unabhängig sein und in die 5er WG ziehen, die ich mir neulich angesehen habe. Das Zimmer zu bekommen war äußerst simpel, die Wohnsituation ist hier sehr entspannt - kein Vergleich zu Berlin :)


Ich werde nach Cholula ziehen, dem Studentenviertel Pueblas, das eigentlich eher ein Vorort ist. Allein in Cholula gibt es (angeblich) über 300 Kirchen. Wenn man bedenkt, dass Cholula etwa 1,5 Mal so groß ist wie Neustadt (also so ca. 22000 Einwohner) ist das schon ganz schön beachtlich. Allgemein sind hier sehr viele Menschen religiös: 90 Prozent der Menschen sind katholisch, ganz viele tragen ein Kreuz um den Hals. Überall sieht man irgendwelche Liebespärchen, weil die Jugendlichen ihren Freund natürlich nicht mit nach hause nehmen dürfen. In jedem Bus hängt ein Kreuz und Bilder vom Papst oder der Virgen de Guadeloupe, einer mexikanischen Heiligen. Das finde ich ganz beruhigend, denn die Busfahrer können bei ihrem Fahrstil ab und an gut Gottes Hilfe gebrauchen :)



Obwohl die Mexikaner sehr religiös sind, sind sie nicht unbedingt Weltmeister in Sachen Nächstenliebe. Damit will ich nicht sagen, dass sie nicht freundlich zu mir sind, aber ihren Umgang mit Tieren müssen sie zum Beispiel noch einmal überdenken:




In solchen "Umzugswägen", die vielleicht gerade mal eine Fläche von 20 Quadratmetern haben, werden hier viele Tiere ausgestellt: Geparden, Tiger, Affen.... Wenn das keine Tierquälerei ist, dann weiß ich auch nicht.



Der Alltag in der Schule ist immer noch sehr chaotisch und irgendwie weiß ich oft nicht recht, wo ich hin oder was ich machen soll. Zur Zeit sind viele Lehrer auf einer Fortbildung. Na Gott sei Dank sind da zwei Praktikanten, die die Vertretungsstunden machen können!
Allgemein würde ich gerne mehr selber machen. Nein, ich würde gerne mehr Dinge selber machen, von denen ich Ahnung habe, ich würde den Kindern gerne etwas über Umweltschutz oder erneuerbare Energien erzählen oder ihnen bewusst machen, wie priviligiert sie sind, auf eine solche Schule gehen zu dürfen.
Die meisten Kinder hier haben allerdings das Selber denken und Selbstständig arbeiten nicht gelernt. Wenn ihre Noten schlecht sind, ruft Papi einmal beim Direktor an und der sorgt dann schon dafür, dass sie die Klasse nicht wiederholen müssen. Ganz schön einfach. Warum sollte man sich in einer solchen Situation dann auch noch anstrengen...? Ganz schön traurig...


Ansonsten beginnt alles gut zu laufen, wenn es auch alles noch nicht superoptimal ist. Aber das wäre ja wahrscheinlich auch zu viel verlangt für den Anfang...

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