Freitag, 28. Oktober 2011

Dia de muertos 1


Heute wurde der Dia de Muertos in der Schule gefeiert:
Das war ein großes Tamtam. Viele Klassen haben sich sehr viel Mühe gegeben. Die Mittelstufe hat zum Beispiel ihre Vorgärten mit Särgen von allen möglichen berühmten Persönlichkeiten geschmückt. Aber seht selbst:




Jede Klasse der Oberstufe hingegen hat ihr gesamtes Klassenzimmer dekoriert und einem Thema gewidmet. Das war wirklich interessant, weil viele Themen sehr ernst waren:
Die eine Klasse hat sich mit Mobbing befasst und drei Personen dargestellt, die sich, weil sie gemobbt wurden, das Leben genommen haben. Andere haben Schicksale nachgespielt, die hier in Mexiko keine Seltenheit darstellen: Kinder, die arbeiten müssen, Frauen, die verschleppt und verkauft werden, Menschen, die entführt werden und mit deren Organen dann Handel betrieben wird.


In der ganzen Stadt findet man mittlerweile so genannte "Ofrendas", also große Altäre, auf denen Bildern von Verstorbenen stehen und darunter das Essen und Trinken, das derjenige geliebt hat. Wie schon gesagt, glaubt man, dass die Toten an diesen Tagen zurück auf die Erde kommen um noch einmal unter denjenigen zu sein, die sie geliebt haben.
Deswegen wird auch so groß getanzt und gefeiert, weil man noch einmal ein paar Tage mit dem geliebten Menschen verbringen darf.


Natürlich kann man jetzt sagen, dass das Ganze ziemlich dumm ist, denn offensichtlich ist das zubereitete Essen am Ende der Feierlichkeiten noch da und niemand ist gekommen, um es zu essen. Dennoch finde ich es einen schönen Gedanken, dass Menschen, die sterben, nicht ganz fort sind, sondern manchmal noch bei uns, auch wenn wir davon nichts merken.


Da es an der Schule gerade einen Toten gab, stand auf dem Pausenhof ein großer Altar. Daneben eine große Wand, wo die Schüler Briefe an Tassilo anbringen durften. Ich finde es gut, dass die Kinder einen Platz bekommen haben, wo sie traurig sein dürfen und wo sie mit großen runden Buchstaben und vielen Rechtschreibfehlern aufschreiben dürfen, was sie so denken:
(wobei man natürlich auch bedenken muss, wie viel Geld die Schule dafür ausgegeben hat... und ob es da nicht auch andere Möglichkeiten gegeben hätte..)


Montag, 24. Oktober 2011

Ich hab noch einen Koffer in Berlin


Gerade sitzt mir der Heimwehvogel ein bisschen im Nacken und ich würde viel dafür geben, einen herbstspaziergang durch Berlin zu machen oder eine lange Joggingtour. Ich möchte durch den Treptower Park laufen und die Blätter unter meinen Füßen rascheln hören und Kastanien sammeln.


Na gut. dafür habe ich nächste Woche frei. Denn am Mittwoch ist der Dia de los muertos (der Tag der Toten), einer der größten Feiertage Mexikos. Es wird gekocht, was die Verstorbenen jeder Familie gerne gegessen haben, denn man glaubt, dass sie in der Nacht vor dem Dia zurück auf die Erde kommen und sich noch einmal ordentlich die Bäuche vollschlagen wollen. Am Dia selber geht man dann auf den Friedhof, dort wird getanzt, gesungen und gelacht. Ich bin gespannt.


An der Schule wird der Dia auch zelebriert. Dazu fällt mir eine Geschichte ein, die mir eine Lehrerin erzählt hat:
Letztes Jahr zum Tag der Toten hat ein Schüler ein Messer mit in die Schule genommen und andere Schüler bedroht (nur zum „Spaß“), daraufhin hat die Lehrerin die Mutter des Jungen in die Schule bestellt und ihr gesagt, was vorgefallen ist und dass so etwas nicht geht. Daraufhin sagt die Mutter des Jungen: „Na, wenn Sie so empfindlich sind, dann kann ich Ihnen auch nicht helfen!“
Tja, was soll man dazu sagen :) Mal sehen, was dieses Jahr passiert.

Sonntag, 16. Oktober 2011

Cetzuatlan

Trotz mancher schlimmer Dinge gefällt es mir hier. Und warum? Das kann man ganz einfach erklären:


Nein, im Ernst:

Ich durfte im Polizeiauto mitfahren,



habe Wasserfälle gesehen


und Pyramiden,



viel Natur





und ein klassisches mexikanisches Dorf... was will man mehr an so einem Wochenende...?

Montag, 10. Oktober 2011

...



Ich habe länger nichts mehr geschrieben. Aber das heißt nicht, dass hier nichts passiert ist :)
Nach Schreiben war mir aber dennoch nicht. Und der Artikel jetzt wird sicher auch nicht der Fröhlichste werden.
An der Schule ist zur Zeit sehr gedrückte Stimmung. Der Leiter der Grundschule, ein sehr netter, freundlicher und lebensfroher Mann ist am Freitag gestorben. Er war sowohl bei den Kindern, als auch bei allen anderen extrem beliebt.
Ich selber habe ihn nur ein paar Mal gesehen und ein paar Mal mit ihm geredet und bin auch sicher alt genug, um damit umgehen zu können. Für die Kleinen ist das schwieriger und ich bin ganz froh, dass ich mich noch aus der Affäre ziehen kann und mit den Schülern nicht darüber reden muss.
Schlimm ist das trotzdem. Vor allem weil er so extrem nett war. Und wie erklärt man einem so kleinen Stöpsel, dass jemand einfach nicht wiederkommt, der noch vor kurzem quietschlebendig in der Gegend herumgehüpft ist?


Auch sonst hört man hier Nachrichten, die einen eher schlucken lassen.
Dadurch dass der derzeitige Präsident die Drogenbanden so extrem verfolgt, ist es für sie schwieriger geworden, mit Drogen Geld zu verdienen. Das Geld, das ihnen demzufolge fehlt, müssen sie sich nun woanders beschaffen und erpressen so alle möglichen Institutionen. Unter anderem auch Schulen, vor allem in Veracruz. Eine Schule hat scih geweigert zu zahlen und am nächsten Morgen lagen acht Köpfe vor der Tür.
Hier in Puebla ist man sicher. Dennoch finde ich solche Sachen schlimm.
So, damit höre ich nun auf. Das nächste Mal fällt mir sicher wieder etwas positiveres ein.

Sonntag, 2. Oktober 2011

Im Wesentlichen nichts Neues


Ein paar weitere Tage sind vergangen. Die Zeit vergeht schnell, wenn mir auch die noch verbleibende Zeit manchmal ewig vorkommt.

Super viel neues, aufregendes erlebe ich nicht unbedingt. Die Schule nimmt mich ganz schön ein, ich habe viel zu tun.




Wirklich gefällt mir diese Schule nicht. Im Moment haben sie Stress, weil sie das Geld, das Eltern gespendet haben, damit Kinder, die zu Halbwaisen werden, dennoch auf die Schule gehen dürfen, für neue Gebäude ausgegeben haben. Alle reden sich hinaus und finden es doof, dass man jetzt mit den Fingern auf sie zeigt. Ich habe eine Meinung dazu, aber behalte die erstmal für mich :)

Viele Schüler hab ich mittlerweile gerne. Oft muss ich daran denken, wie ich wohl war, als ich noch auf so kleinen Beinen durch die Gegend gewuselt bin. Viele Dinge, die die meisten der Kinder haben, hatte ich damals nicht.



Abends bin ich schon dann und wann einmal weggewesen. Die Hälfte der Male habe ich Menschen sich prügeln sehen. Immer ein Stück weg von mir, aber dennoch immer in der Nähe. Man selber ist natürlich sicher, so lange man sich nicht einmischt (und ich werde das sicher nicht tun...). Manche Mexikaner stellen sich um die Prügelnden und filmen das Ganze mit dem Handy. Wahrscheinlich kann man sich das dann auf youtube ansehen. Yeah!




Man sagt, in Puebla ist man vor allem deswegen sicher, weil hier die ganzen Drogenbosse wohnen ^^ Der letzte große Drogenboss, der gefasst wurde, war der Nachbar der anderen Praktikantin, die hier aufgewachsen ist^^ Vielleicht gehen ein paar Drogenbosssprösslinge auch auf die Schule :) Geld genug müssten sie ja haben :)


Sonntag, 25. September 2011

Esto es lo que hay


Nun ist schon wieder eine Woche um. Die Zeit vergeht zu schnell.
Mittlerweile ist hier eine Art Alltag eingekehrt: Am Montag bin ich noch einmal umgezogen, aber nur ein Stockwerk nach oben und da wohne ich nun. Schön ists hier, ruhig und still :)
Einziger Nachteil: ich brauche jetzt länger zur Schule, das heißt, es gibt Tage, an denen ich um 6 Uhr aufstehen muss (puh :( ).


Ich habe meine ersten zwei Mathestunden gehalten und darf das die ganze nächste Woche weiterhin tun. Die Lehrerin ist ziemlich cool und es lief alles viel, viel besser als ich es jemals für möglich gehalten habe.
Morgen werde ich auch zwei Deutschstunden halten, davor habe ich ein bisschen Angst, aber ich werde das sicher auch überstehen :)
In der Schule ist gerade sehr schlechte Stimmung, sie haben Geld veruntreut und nun ein paar Klagen am Hals. Die Eltern schreiben böse Zeitungsartikel und wollen den Direktor absetzen.


Sonst beginne ich auch das Nachtleben in Mexiko auszukosten.
Mexikanische Konzerte sind auch sehr cool:


Außer dass die Mexikaner in regelmäßigen Abständen ihre halbvollen Bierbecher durch die Menge werfen und man nach dem Konzert quasi in Bier geduscht hat ( es soll ja Menschen geben, die von so etwas träumen... ich kann mir aber schöneres vorstellen :-P ) Naja, aber Bier ist gut für die Haare ^^ oder so ähnlich...

Sonntag, 18. September 2011

Tag Am Meer


Letzte Woche Mittwoch hatte ich auf der "Feria" (eine Art Volksfest) hier in Cholula das erste Mal das Vergnügen mexikanischen Tequila probieren zu dürfen :) Ich muss sagen, dass ich mir mehr erwartet habe :) Stark ist er aber natürlich trotzdem, so dass ich am Donnerstag nicht ganz so fit zur Arbeit getaumelt bin :)


Das war aber nicht so schlimm, denn am Donnerstag war sowieso eine große Feier zur mexikanischen Unabhängigkeit und an der Schule war nicht viel los.
Abends gab es noch eine große Party in jeder Stadt Mexikos, wo alle Menschen sich auf dem Marktplatz zusammen finden und ganz laut: "Viva Mexico!" schreien. Überhaupt tragen alle Menschen an diesem Tag rot, grün, weiß, die Farben der mexikanischen Flagge und essen und tanzen und trinken Tequila. Einige sind noch ein bisschen zu klein zum Tequila trinken, aber sie haben trotzdem Spaß:)


Den abendlichen Feierlichkeiten bin ich aus dem Weg gegangen, denn ich habe mir gedacht: Was gibt es besseres als ein langes Wochenende ans Meer zu fahren?


Wahrscheinlich nicht so viel :) und so haben wir uns Donnerstag spontan entschieden uns mit dem Nachtbus auf den Weg nach Acapulco zu begeben. Acapulco liegt am Pazifik und war früher quasi eine Touristenhochburg. Spätestens seit 2007 dort zwei Touristen erschossen wurden, sind kaum mehr Ausländer dort zu sehen. Acapulco hat sich eher zur Drogenhochburg entwickelt :) An Weihnachten wurden dort in einem Kaufhaus mehreren Menschen die Köpfe abgeschlagen und in den Schaufenstern aufgehängt.


Ja, solche Geschichten hört man über Acapulco. Eigentlich wollten wir auch nach Veracruz fahren. Nachdem aber eine Bekannte dort kürzlich war und regelmäßig Schüsse gehört hat, haben wir uns - auch dem Rat einiger Mexikaner folgend - für Acapulco entschieden.

Die Armut dort ist förmlich greifbar. Am Strand wird einem alle zwei Minuten etwas angeboten: eine Massage, eine neue Frisur, Schmuck... Auch viele Kinder laufen in der Gegend herum und wollen einem Spielzeug andrehen. An den meisten Häusern blättert die Farbe ab. Die Stadt wimmelt von Taxis, nur ist keiner da, der mit ihnen fahren will.
Wirklich helfen kann man den Menschen dort allerdings nicht.
Ich finde Acapulco selber auch nicht besonders schön. Wir haben uns selber natürlich nur in den belebten Gegenden aufgehalten, die quasi die Touristengegenden sind. Aber selbst dort sind die Häuser renovierungsbedürftig, die Restaurants verkommen, die Straßen sind leer.
Was das mit den Drogenkriegen genau auf sich hat, das habe ich noch nicht ganz verstanden. Nur, dass es in den letzten Jahren immer schlimmer geworden ist und es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis sich dieser Krieg in ganz Mexiko verbreitet hat - also auch in die im Moment noch sicheren Städte, wie Puebla, kommt.


Seit ein paar Minuten bin ich auch wieder hier, in sicherem Gebiet, in meinem neuen Zuhause - die Fahrt zurück hat statt 6 11 Stunden gedauert. Naja, die Mexikaner nehmen es mit der Pünktlichkeit eben nicht so genau....:)