Montag, 28. November 2011

Die Frau Staatsministerin


Ui, hatten wir heute hohen Besuch: Die Frau Staatsministerin war höchstpersönlich an der Schule: Cornelia Pieper, die Frau, die nach Guido die zweitwichtigste Stelle im Außenministerium inne hat und natürlich der gleichen Partei wie der liebe Guido angehört: der FDP. Kein Wunder, dass ich sie nicht ernst nehmen konnte.


Aber ihr zu Ehren gab es großes Tamtam: eine zweistündige Zeremonie, in der Reden gehalten wurden, wie toll unsere Schule doch ist. Sie ist schließlich auch EXZELLENTE deutsche Auslandsschule und sehr auf die LEISTUNGEN der Schüler bedacht. Hat man diese Schule besucht, hat man auch die besten Chancen an jeder Uni der Welt. Jaja.
Ich frage mich heute noch, wie die Schule an ihren Exzellenzstatus gekommen ist und habe mich mit Schülern rumgeschlagen, die es in der 10. Klasse selbst nach zwanzig Mal erklären nicht hinbekommen haben quadratische Gleichungen zu lösen.
Daniel, ein Lehrer, hat Schüler in der 6. Klasse, die nicht wissen, wie viel 5 mal 6 ist. So viel zum Thema exzellente Bildung.


Die meisten Schüler werden ins nächste Schuljahr geschleust, weil die Eltern das Schulgeld bezahlen. So viel zum Thema, wir sind auf Leistung bedacht.
Am Freitag wurden wir extra instruiert, die liebe Conny mit "Frau Staatsministerin" anzureden und ja nur positives zu sagen. Gut, dass man mir das gesagt hat, ich wäre sonst zu ihr hingegangen, hätte ihr auf die Schulter gehauen und der alten Conny mein Herz ausgeschüttet. zum Beispiel dass dank ihrer Zeremonie die letzte Mathestunde vor der Klausur ausgefallen ist und ich die eigentlich dringend zum Vorbereiten gebraucht hätte. Aber wen interessiert das schon.
Leider ist die Podiumsdiskussion mit der Frau Staatsministerin ausgefallen, weil sie keine Zeit hatte. Ich hätte sie so gerne mal gefragt, was sie von den aktuellen Wahlergebnissen der FDP hält :)

Montag, 21. November 2011

Where do I start...



In Mexiko gibt es viele Feiertage.
So zum Beispiel heute: da ist der 101. Jahrestag der mexikanischen Revolution. Naja, eigentlich am Sonntag. Aber da man da natuerlich zu viel feiert, ist der Montag auch frei. Einfach so. Und da in Puebla die Revolution schon ein paar Tage frueher begonnen hat, hat die Regierung am Donnerstag spontan beschlossen, dass der Freitag auch frei ist. Kann man ja mal machen. Also hatte ich (mal wieder...) ein langes Wochenende.

Prinzipiell ist das natuerlich sehr schoen, wenn man aber sieht, dass die naechsten drei Wochen fuer die Schueler voller Klausuren sind und zum Beispiel so die letzte Mathestunde vor der Klausur ausgefallen ist, ist das vielleicht nicht mehr ganz so cool...
Naja, kein Wunder, dass die Schueler alle keine Ahnung haben, wenn bei ihnen permanent die Schule ausfaellt.


Aufgrund der Tatsache dass in Puebla nicht besonders viel los ist und es eine ganz schoen langweilige und spiessige Stadt ist, muss man die Wochenenden wegfahren, wenn man sich nicht zu Tode langweilen will. Und was liegt da naeher als in die Hauptstadt zu duesen? Das dauert naemlich nur zwei Stunden.


Also habe ich mich auf den Weg gemacht zum Mittelpunkt des Universums, ein zweites Mal, mit vielen Tipps von meiner Mitbewohnerin im Gepaeck, wo es schoen ist und wo nicht.
Und siehe da: ich mochte es. Ich mochte es sogar sehr.


Auch wenn man auf den Maerkten kleine Adolf Hitler aus Zinn kaufen kann. Wahlweise auch kleine Adolf Hitler in Waegen der Waffen-SS. Sehr geschmackvoll.
Trotzdem ists schoen gewesen. Aber seht am besten selbst:

Sonntag, 6. November 2011

Impressionen

Die letzte Woche hatte ich frei und Mexiko hat sich in ein Land verwandelt, in dem es von Menschen nur so wimmelt, die aussehen, als wären sie einem Tim Burton Film entsprungen.

Ich bin deswegen ein bisschen in der Gegend herumgefahren, habe meine Füße ins Meer gehalten und kleine Schildkröten in den Händen, habe mit einer mexikanischen Familie zu Abend gegessen, mit Kakerlaken und Eidechsen unter einem Dach gewohnt, Strandspaziergänge gemacht, war in El Tajin, Monte Alban und Mitla, drei beeindruckenden Ruinen, habe über einer Schokoladenfabrik gewohnt, mich in Oaxaca verliebt, Metzcal getrunken (den Tequila mit dem Wurm am Boden), aber zum Glück den Wurm nicht erwischt, den dicksten Baum der Welt gesehen, bin durch die Straßen Oaxacas getanzt (die übrigens an jeder Ecke nach Schokolade duften), durch einsame Gegenden Mexikos gefahren, auf dem Friedhof gewesen, habe viel, viel nachgedacht, aber auch gelacht.

Kurz gesagt: es mir gut gehen lassen, wenn das Heimweh auch noch nicht ganz verflogen ist.

Bin aber letztendlich zu dem Schluss gekommen: Mexiko ist wunderschön, wenn es auch Schattenseiten hat, die man an allen möglichen Ecken sieht. Der Wunsch etwas daran zu ändern, den gibt es wohl – nur die Möglichkeit, die - denke ich - kaum.

Ein paar Eindrücke könnt ihr euch selbst ansehen, alles Wesentliche lieber persönlich:



Freitag, 28. Oktober 2011

Dia de muertos 1


Heute wurde der Dia de Muertos in der Schule gefeiert:
Das war ein großes Tamtam. Viele Klassen haben sich sehr viel Mühe gegeben. Die Mittelstufe hat zum Beispiel ihre Vorgärten mit Särgen von allen möglichen berühmten Persönlichkeiten geschmückt. Aber seht selbst:




Jede Klasse der Oberstufe hingegen hat ihr gesamtes Klassenzimmer dekoriert und einem Thema gewidmet. Das war wirklich interessant, weil viele Themen sehr ernst waren:
Die eine Klasse hat sich mit Mobbing befasst und drei Personen dargestellt, die sich, weil sie gemobbt wurden, das Leben genommen haben. Andere haben Schicksale nachgespielt, die hier in Mexiko keine Seltenheit darstellen: Kinder, die arbeiten müssen, Frauen, die verschleppt und verkauft werden, Menschen, die entführt werden und mit deren Organen dann Handel betrieben wird.


In der ganzen Stadt findet man mittlerweile so genannte "Ofrendas", also große Altäre, auf denen Bildern von Verstorbenen stehen und darunter das Essen und Trinken, das derjenige geliebt hat. Wie schon gesagt, glaubt man, dass die Toten an diesen Tagen zurück auf die Erde kommen um noch einmal unter denjenigen zu sein, die sie geliebt haben.
Deswegen wird auch so groß getanzt und gefeiert, weil man noch einmal ein paar Tage mit dem geliebten Menschen verbringen darf.


Natürlich kann man jetzt sagen, dass das Ganze ziemlich dumm ist, denn offensichtlich ist das zubereitete Essen am Ende der Feierlichkeiten noch da und niemand ist gekommen, um es zu essen. Dennoch finde ich es einen schönen Gedanken, dass Menschen, die sterben, nicht ganz fort sind, sondern manchmal noch bei uns, auch wenn wir davon nichts merken.


Da es an der Schule gerade einen Toten gab, stand auf dem Pausenhof ein großer Altar. Daneben eine große Wand, wo die Schüler Briefe an Tassilo anbringen durften. Ich finde es gut, dass die Kinder einen Platz bekommen haben, wo sie traurig sein dürfen und wo sie mit großen runden Buchstaben und vielen Rechtschreibfehlern aufschreiben dürfen, was sie so denken:
(wobei man natürlich auch bedenken muss, wie viel Geld die Schule dafür ausgegeben hat... und ob es da nicht auch andere Möglichkeiten gegeben hätte..)


Montag, 24. Oktober 2011

Ich hab noch einen Koffer in Berlin


Gerade sitzt mir der Heimwehvogel ein bisschen im Nacken und ich würde viel dafür geben, einen herbstspaziergang durch Berlin zu machen oder eine lange Joggingtour. Ich möchte durch den Treptower Park laufen und die Blätter unter meinen Füßen rascheln hören und Kastanien sammeln.


Na gut. dafür habe ich nächste Woche frei. Denn am Mittwoch ist der Dia de los muertos (der Tag der Toten), einer der größten Feiertage Mexikos. Es wird gekocht, was die Verstorbenen jeder Familie gerne gegessen haben, denn man glaubt, dass sie in der Nacht vor dem Dia zurück auf die Erde kommen und sich noch einmal ordentlich die Bäuche vollschlagen wollen. Am Dia selber geht man dann auf den Friedhof, dort wird getanzt, gesungen und gelacht. Ich bin gespannt.


An der Schule wird der Dia auch zelebriert. Dazu fällt mir eine Geschichte ein, die mir eine Lehrerin erzählt hat:
Letztes Jahr zum Tag der Toten hat ein Schüler ein Messer mit in die Schule genommen und andere Schüler bedroht (nur zum „Spaß“), daraufhin hat die Lehrerin die Mutter des Jungen in die Schule bestellt und ihr gesagt, was vorgefallen ist und dass so etwas nicht geht. Daraufhin sagt die Mutter des Jungen: „Na, wenn Sie so empfindlich sind, dann kann ich Ihnen auch nicht helfen!“
Tja, was soll man dazu sagen :) Mal sehen, was dieses Jahr passiert.

Sonntag, 16. Oktober 2011

Cetzuatlan

Trotz mancher schlimmer Dinge gefällt es mir hier. Und warum? Das kann man ganz einfach erklären:


Nein, im Ernst:

Ich durfte im Polizeiauto mitfahren,



habe Wasserfälle gesehen


und Pyramiden,



viel Natur





und ein klassisches mexikanisches Dorf... was will man mehr an so einem Wochenende...?